Beratung und Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Die systemische Beratung und Therapie verfolgt das Ziel, das Kind bzw. den/die Jugendliche:n in seinem/ihrem individuellen Erleben zu verstehen und gleichzeitig das familiäre und soziale Umfeld mit einzubeziehen. Im Mittelpunkt steht nicht die Suche nach Schuld oder Ursache, sondern das gemeinsame Verstehen von Zusammenhängen, Mustern und Wechselwirkungen.

Ziele der Beratung/Therapie können unter anderem sein:

  • die aktuellen Belastungen und Symptome besser einzuordnen und zu verstehen,
  • die emotionalen, sozialen und persönlichen Ressourcen des Kindes zu stärken,
  • hilfreiche Kommunikations- und Umgangsformen innerhalb der Familie zu fördern,
  • das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeit und emotionale Regulation des Kindes zu unterstützen,
  • neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten im Alltag zu entwickeln,
  • Belastungen im schulischen, familiären oder sozialen Kontext zu reduzieren.

Die konkreten Beratung- bzw. Therapieziele werden individuell, transparent und gemeinsam mit dem Kind bzw. den Jugendlichen und den Sorgeberechtigten erarbeitet und im Verlauf der Beratung/Therapie regelmäßig überprüft und angepasst. Ein wesentlicher Bestandteil der systemischen Beratung/Therapie kann zudem die Einbeziehung der Familie sein. Je nach Fragestellung und Bedarf kann es sinnvoll sein, neben Einzelgesprächen auch gemeinsame Termine mit den Eltern sowie – wenn passend – mit Geschwistern oder anderen wichtigen Bezugspersonen zu vereinbaren. Ziel ist es, familiäre Dynamiken besser zu verstehen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und gemeinsam neue, unterstützende Lösungswege zu entwickeln. Die Entscheidung über Form und Umfang der Einbeziehung erfolgt stets in enger Abstimmung mit dem Kind bzw. den Jugendlichen und den Eltern.

Wo liegt der Unterschied zwischen systemische Beratung und systemische Therapie?

Sowohl die systemische Beratung als auch die systemische Therapie basieren auf der systemischen Sichtweise. Diese geht davon aus, dass Schwierigkeiten nicht isoliert bei einer einzelnen Person entstehen, sondern immer im Zusammenhang mit Beziehungen, Familie, Schule, Arbeit und anderen Lebensbereichen stehen. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es wichtige Unterschiede.

Systemische Beratung

Systemische Beratung unterstützt Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche bei Fragen, Konflikten oder belastenden Lebenssituationen.
Sie ist lösungs- und ressourcenorientiert, zeitlich meist begrenzt und setzt keine psychische Erkrankung voraus. Ziel ist es, Entlastung zu schaffen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Kinder und Jugendliche kommen z. B. zur Beratung, wenn sie :

  • sich in der Familie oft streiten oder sich nicht verstanden fühlen
  • Schwierigkeiten in der Schule haben (z. B. Leistungsdruck, Konflikte mit Lehrkräften, Mobbing)
  • sich traurig, wütend, ängstlich oder schnell überfordert fühlen
  • Probleme mit Freundschaften oder dem sozialen Miteinander haben
  • Veränderungen erleben (z. B. Trennung der Eltern, Schulwechsel, neue Geschwister)
  • sich mit Fragen zur eigenen Identität, Rolle oder zum Erwachsenwerden beschäftigen
  • lernen möchten, besser mit Stress, Druck oder starken Gefühlen umzugehen
  • lernen möchten mit chronischen Erkrankungen umzugehen

Systemische Therapie

Systemische Therapie ist eine therapeutische Begleitung bei psychischen Belastungen oder Erkrankungen. Sie setzt eine diagnostische Abklärung voraus.

Sie kann von approbierten Psychotherapeut:innen oder von Heilpraktiker:innen (beschränkt auf Psychotherapie) durchgeführt werden. Die Therapie ist in der Regel intensiver und längerfristig angelegt. Eine Kostenübernahme durch Krankenkassen ist in der Regel nur bei approbierten Psychotherapeut:innen unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Ein:e Heilpraktiker:in für Psychotherapie kann systemische Therapie anbieten z.B. bei:

  • Leichten bis mittelgradigen Depressionen (z. B. anhaltende Traurigkeit, Rückzug, Selbstwertprobleme)
  • Angst- und Belastungsstörungen (z. B. soziale Ängste, Prüfungsangst, starke innere Anspannung)
  • Anpassungs- und Belastungsreaktionen (z. B. nach Trennung der Eltern, Schulwechsel oder anderen Veränderungen)
  • Emotionale Überforderung (z.B. starke Wut, Rückzug, Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen)
  • Traumatischen Erfahrungen (stabilisierend) (z. B. nach belastenden Erlebnissen, ohne akute Gefährdung)
  • Selbstwert- und Identitätsfragen (v. a. bei Jugendlichen)
  • Familiären Konflikten mit psychischer Belastung

Nicht geeignet ist diese Form der Therapie bei akuten Krisen, Psychosen, schwerer Suizidalität oder medizinisch behandlungsbedürftigen Essstörungen.